So motivieren Sie Ihr Kind, zu Hause zu üben…

Viele Kinder wünschen sich ein Instrument, weil sie von deren Klängen und Melodien fasziniert sind . Fantasie und Neugierde an der Musik sind die besten Voraussetzungen, ein Instrument zu lernen. Häufig haben die Kinder im Unterricht sehr viel Freude am Spiel, doch zu Hause wird das Instrument leider oft zur ungeliebten Pflicht.

Kindern bis etwa zum 10. Lebensjahr fällt es in der Regel nicht so leicht, sich jeden Tag allein ans Klavier zu setzen und in der richtigen Weise und Dauer zu üben. Daher ist es gerade in der Anfangszeit sinnvoll, dass ein Elternteil beim Unterricht dabei ist und erfährt, was beim Üben zu Hause zu beachten ist. So können Sie ihr Kind dann auch während der Woche etwa 2 oder 3 x beim Üben unterstützen. Denn Ihr persönliches Interesse am Musizieren Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes ist zusätzlich motivierend für Ihr Kind.

Nicht selten hat ein Instrument zu spielen in unserer Gesellschaft mehr mit Leistung als mit Genuss zu tun. Das beginnt damit, dass wir dem Kind auftragen „zu üben“ anstelle von „Musik zu machen“. Daher ist es wichtig, wann immer Sie mit ihrem Kind über das Musizieren sprechen, sie von „Klavier spielen“ sprechen und das Wort „üben“ vermeiden. Denn die Aufforderung: „Du musst noch üben!“ verdirbt Kindern allzu häufig die Lust am Musizieren.

Kleine Hauskonzerte für Mama und Papa

Warum lernen Kinder ein Instrument? Wohl um Musik zu leben und zu erleben. Wie wird also aus dem täglichen Üben also Musik? Indem sich die Eltern aktiv die Zeit nehmen ihrem Kind zuzuhören. Denn dafür lernt es ja gerade. Töne, und seien sie noch so wacklig und ungenau, werden zur Musik, wenn ihnen Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dadurch hören sich Kinder ihrem Spiel selber von Anfang mit ganz anderen Ohren zu. Zudem messen Sie, als Eltern, der Tätigkeit ihres Kindes so einen ganz anderen Wert bei.

Musik ist Kommunikation

Vielleicht denken Sie sich: „Ich zahle schon so viel Geld für den Musikunterricht, nun muss ich auch noch mit dem Kind üben?». Klingt nach viel Aufwand, aber es ist sinnvoll. Nicht nur für das Klavierspiel als solches, sondern vor allem auch für die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Schon eine einfache, gemeinsam gespielte Melodie ist ein in Tönen geführtes Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Kind. So können schon die ersten sieben Töne von «Der Mond ist aufgegangen» mit Ihrer Gesangsbegleitung ein kleines Konzert werden auf dem Klavier Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes.

13 Tipps zur Motivationssteigerung

1. Lachen Sie Ihr Kind niemals aus, wenn es musiziert.

2. Überprüfen Sie den Ort, an dem Ihr Kind musiziert. Steht das Klavier in einem Abstellraum oder Keller? Ist der Notenständer mitten im Chaos platziert? Nehmen Sie das Instrument in den Wohnraum oder in die Küche, dort, wo sich die Familie am wohlsten fühlt.

3. Setzen Sie sich zum Üben zu Ihrem Kind. Nehmen Sie sich anfangs genauso Zeit, wie es Ihr Kind tut. Sagen Sie zum Beispiel „Machst du etwas Musik?“ statt „Du musst noch üben!“.

4. Hören Sie aktiv jedem Ton zu und laden Sie das Kind dazu ein, seinem Spiel zuzuhören. Bald können dazu die Augen geschlossen werden.

5. Die Stimme (Ihre oder die des Kindes) kann mitsingen oder als Echo oder Pausenfüller erklingen – und schon haben Sie ein Duett.

6. Viele Kinder beginnen mitten im Üben zu experimentieren. Versuchen Sie in dem Moment nicht, es auf den vermeintlich seriösen Pfad der Noten zurückzubringen. Halten Sie das wilde Spiel aus. Hören Sie auch dort aktiv zu und fragen Sie nachher, was das Kind gesucht und vielleicht gefunden hat. Berichten Sie auch darüber, was Ihnen aufgefallen ist.

7. Seien Sie ehrlich zum Kind. Jedes Training braucht hin und wieder Überwindung.

8. Sorgen Sie dafür, dass Geschwister nicht stören. So wie man dem Redenden nicht ins Wort fällt, unterbricht man nicht, wenn jemand am Instrument spielt. Regelmäßiges Musizieren führt zu einem neuen Tagesablauf, an den sich die Familie vielleicht gewöhnen muss.

9. Reduzieren Sie in Krisen Dauer und Inhalt beim Üben. Manchmal genügt ein einziger Takt. Vorzugsweise wählt das Kind die Stelle selber aus. Erklären Sie Ihrem Kind, dass der Körper das Stück abspeichert und dass es wichtig ist, langsam und entspannt zu üben. Der Körper speichert eben auch den Stress ab.

10. Das Üben muss nicht ausschließlich mit dem Instrument stattfinden. Schauen Sie sich zusammen das Notenheft auf dem Sofa an. Reden Sie über die Namen der Stücke. Falls Sie selber Noten lesen können, reden Sie über die Partitur: Was ist es für eine Tonart, was für eine Taktart, wie viele Stellen mit Sechzehntelnoten hat es, wo muss man die Töne lange halten? Singen Sie die Melodie zusammen, hüpfen und klatschen Sie die Rhythmen. Vergleichen Sie im Internet verschiedene Aufnahmen des Stücks.

11. Falls Sie selber ein Instrument spielen können, begleiten Sie Ihr Kind. Das kann auch ein Geschwister oder Nachbarskind übernehmen. Viele Musikschulen bieten Anfängerensembles an. Gemeinsames Musizieren ist eine tiefgreifende Erfahrung.

12. Führen Sie Ihrem Kind den Fortschritt vor Augen und freuen Sie sich darüber. Vielleicht machen Sie regelmäßig kleine Aufnahmen.

13. Ein Anfängerkind in den Unterricht zu begleiten, signalisiert Interesse und Wertschätzung. Gerade bei jüngeren Kindern kann es hilfreich sein, wenn die Eltern Tipps der Lehrperson mithören.

 

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